Endlich wieder Bräuer - Seminar zum Thema „Angst“ bewegte die Gemüter
Nach fast genau einem Jahr Pause trafen sich am 17. und 18. November 2007 10 erwachsene Vereinsmitglieder mit Behinderung, um gemeinsam mit dem Persönlichkeits-Coach und „Seelenfitneßtrainer“ Klaus Bräuer auf Entdeckungsreise ins eigene Innenleben zu gehen.
Thema dieses Seminars war „Angst“ – genau genommen Ängste, denn es gibt viele davon, wie zum Beispiel:
- die Angst vor Naturgewalten
- die Angst, zu verhungern/ zu verdurstend
- ie Angst, gefressen zu werden
- die Angst vor Krankheit
- die Angst vor Neuem
- die Angst, zu versagen
- die Angst, nicht dazu zu gehören Verlustangst
- die Angst vor Einsamkeit
Abhängig von den individuellen Lebens-umständen werden bestimmte Ängste nicht relevant vorhanden sein, andere vielleicht immer mal wieder und wieder andere sind latent da.
Ängste gehören zum Leben dazu, und jeder hat welche. Entscheidend ist wieder einmal, wie man damit umgeht.
Für den Umgang mit Angst gibt es 2 Grundrichtungen: Flucht (von der Angst weg) oder Angriff (auf die Angst zu).
Wer vor der Angst machenden Situation flieht, wehrt die Angst ab, löst aber das Problem nicht. Er vermeidet oder verdrängt den Konflikt - und so kann aus der akuten Angst vor einer konkreten Situation die latente Angst vor deren Wiederholung entstehen. Man muss immer weiter verdrängen und vermeiden, dafür immer mehr Kräfte mobilisieren und gerät dabei unter immer stärkeren Druck und Stress. Für Vermeidung und Verdrängung (problemorientiert) gibt es vielfältige Strategien, von denen wir einige sicher auch schon einmal an uns selbst erlebt haben, wie zum Beispiel:
- sich ablenken (fernsehen, Sport machen, arbeiten)
- ignorieren (Briefe nicht öffnen, Fristen versäumen)
- rationalisieren (so tun, als hätte man kein Problem)
- die Angst betäuben (Alkohol, Drogen)
- jemand anderen verantwortlich machen (eigentlich ist es die Schuld von XY)
- leugnen (ich hab das nicht gemacht; es ist nicht so, wie es aussieht)
Die Crux bei der Flucht ist, das man nun sogar zwei „Verfolger“ hat: 1. das immer noch ungelöste Problem - und 2. die Angst davor.
Bei der Strategie „Angriff“ (lösungs-orientiert) richten sich von vornherein alle Energien auf die Lösung des Problems. Das beginnt damit, dass ich erst einmal anerkenne, dass ich ein Problem habe.
Hilfreich zur Überwindung von Ängsten kann manchmal ein „innerer Fahrplan“ sein – eine
Handlungsoption zur Angstüberwindung
- Selbsterkenntnis (ich bin mir bewusst, dass ich Probleme habe)
- „Baustellen“ identifizieren (welche Probleme habe ich?)
- „Baustellen“ auflisten, dokumentieren (alle Probleme aufschreiben)
- Prioritäten setzen (nach Dringlichkeit sortieren)
- Was kann ich selber lösen? (was kann ich alleine tun?)
- Wo benötige ich Hilfe? (was brauche ich, wer könnte es mir geben, wann, wie)
Dieser „Fahrplan“ setzte den Schlusspunkt unter ein interessantes, spannendes, informatives und emotionales Seminarwochenende - das jeden von uns, wie immer, durch verschiedene Methoden zu der einen oder anderen neuen Erkenntnis leitete.
Zum Beispiel mit einem Ei, 25 Strohhalmen und 2 m Klebestreifen - und der Aufgabe, das Ei mit den Strohhalmen und dem Klebestreifen so zu verpacken, dass es bei einem Fall aus 2,50 m nicht kaputt geht.
Die Aufgabe lösten wir zu fünft in 2 Gruppen – und lösen ist hier wörtlich zu nehmen, denn beide Gruppen haben es geschafft.
Und welche Ängste konnten einen hierbei „erwischen“? Die Angst, zu versagen z. B. … und in der Folge die Angst, nicht dazu zu gehören.
Klaus entwarf uns sehr anschaulich das Bild von einem Baum:
- Die Wurzel: (Woher) Sicherheit, Geborgenheit, Vertrauen, Angst
- Der Stamm: (Wie) sehen, hören, riechen, schmecken, tasten, Intuition
- Die Krone: (Wohin) Denken, Kreativität, Phantasie, Verantwortung, Liebe
So betrachtet, ist es nicht schwer zu verstehen, wie existenziell sich Gefühle von Unsicherheit, Ungeborgensein, Misstrauen und Angst auf das Lebensgefühl eines Menschen auswirken.
Eine mögliche Erkenntnis des Seminars könnte lauten
Wenn ich weiß, was ich brauche, kann ich es mir vielleicht holen. Ich finde es womöglich nicht immer da, wo ich zuerst suche, aber oft reicht ein offener Blick in eine andere Richtung, um fündig zu werden.
Am Samstagabend gingen wir nach getaner Arbeit gemeinsam beim „Italiener unseres Vertrauens“ Abendbrot essen. Hierzu brachte Klaus auch seine Frau mit, die uns am Sonntag in der Abschlussrunde ein bewegendes Kompliment machte, indem sie sagte, wir wären eine ganz tolle Gruppe und wir sollten uns das unbedingt erhalten. Klaus stimmte ihr zu und versicherte, das würde er nicht zu jeder Gruppe sagen. Recht haben sie!!!
Aber auch Klaus bekam Komplimente. Eins davon war: „Ich bin gekommen, weil Bräuer dran stand“. Das nennt man dann wohl Vertrauensvorschuss.
Für das nächste Jahr haben die Teilnehmer schon viele Ideen für weitere Seminare zusammen getragen. Wir arbeiten daran, hierfür finanzielle Unterstützung zu bekommen.