angeschaut - die Ausstellung
Im Mittelpunkt unseres Projektes stehen Menschen, ihre Beziehungen und Perspektiven. Die Bilder zeigen Beziehungen – oder beziehen den Betrachter ein.
Ob wir zu jemandem aufschauen, auf jemanden herabschauen, ob wir ihn direkt anschauen oder an ihm vorbei – die Blickrichtung bestimmt entscheidend über die Qualität der Beziehung in diesem Moment.
Die Teilnehmer der Aktion waren 14 Menschen mit und ohne Behinderungen.
Das Projekt wurde im Zeitraum vom 05. bis 14. Mai 2006 als unsere Aktion anlässlich des „Europaweiten Protesttages für die Gleichstellung behinderter Menschen“ umgesetzt. Sie wurde von der Aktion Mensch unterstützt
Am 5. und 6. Mai 2006 entstanden die Fotos. Es wurde eine professionelle Fotoausrüstung verwendet. Die Fotografen arbeiteten sehr professionell und verfügten über viel Erfahrung.
Am 7. Mai 2006 wurden die Fotos für die Ausstellung gemeinsam ausgewählt. Die nächsten Tage waren für die Entwicklung und Bearbeitung der Fotos vorgesehen.
Die Ausstellung wurde am 14. Mai 2006 in den Potsdamer „Bahnhofspassagen“ eröffnet. und blieb dort bis Mitte Juni 2006.
Von Januar bis Juli 2007 hingen unsere Bilder in der Geschäftsstelle des paritätischen Wohlfahrtsverbandes Brandenburg e. V.
Nächster Ausstellungsort soll in Kürze die AOK für das Land Brandenburg in Teltow sein.
eine Fotoausstellung anlässlich des “Europaweiten Protesttages für die Gleichstellung behinderter Menschen” 2006
Auch in diesem Jahr wurde bundesweit von vielen Behindertenverbänden der “Europäische Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen” mit zahlreiche Aktionen begangen. Die ASbH Brandenburg hat sich ebenfalls mit einer interessanten und außergewöhnlichen Aktion beteiligt.
Am 5. Mai trafen sich um 17.00 Uhr 15 Menschen (darunter 4 Fotografen vom Fotoclub Potsdam sowie die künstlerische Leiterin) mit und ohne Behinderungen zu einem Fotoshooting. Eine Ausstellung unter dem Titel angeschaut war unser Ziel.
Als Ausstellungsort bekamen wir über den Potsdamer Fotoclub eine 24 Meter lange Glasfensterreihe einer nicht vermieteten Ladenzeile in den Potsdamer “Bahnhofspassagen” zur Verfügung gestellt.
In einem Brainstorming machten sich die Teilnehmer zunächst auf die Suche nach spannenden Motiven. Im Mittelpunkt ihres Interesses lagen hier Blicke und Perspektiven – insbesondere in der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen.
Eine häufig gemachte Erfahrung von Menschen mit einem sichtbaren Handicap ist ja: man wird gesehen und der Blick des Betrachters trifft nicht zuerst die Augen, sondern meist die Behinderung. Ob man nun ungewöhnlich geht oder sogar im Rollstuhl fährt – oft ist der “defekte Teil” das erste, was an einem Menschen mit einer sichtbaren Behinderung wahrgenommen wird.
Deshalb wollten wir mit unseren Bildern den Blick des Betrachters auch einmal bewusst auf die “unbehinderten Teile” von uns lenken. Und wir wollten die Nichtbehinderten mit ihrer Art, uns zu sehen, konfrontieren – ohne Vorwurf, aber schon provokant.
Nach dem Brainstorming ging es direkt ans Probieren. In einem großen leer stehenden Büroraum hatte das Fotografenteam zwei Fotostudios aufgebaut – ein helles und ein dunkles, um damit jeweils unterschiedliche fotografische Effekte zu erzielen. Die Fotos wurden in Farbe gemacht, sollten aber von vorn herein in schwarz-weiß oder auch in einer anderen reduzierten Farbvariante (zum Beispiel Sepia) präsentiert werden.
So entstanden am Freitag und Samstag zahlreiche interessante und zum Teil sehr überraschende Motive, die die “Models” eindrucksvoll auch in sehr ungewohnten und ungewöhnlichen Posen abbildeten.
Das Projekt war für viele eine Herausforderung. Für den, der sich drauf einließ, war es eine Auseinandersetzung mit seinem “Sosein”, mit geliebten und weniger geliebten Anteilen der eigenen Persönlichkeit - und insbesondere des eigenen Körpers. Mit großer Spielfreude und Lust am Experimentieren entdeckten die “Models” auch “Neues” an sich: ein aufreizendes Lächeln, einen erotischen Rücken, einen interessanten Blick …
angeschaut haben sich damit auch die Teilnehmer neu
Auf dieser spannenden “Reise” entstanden insgesamt weit über 1000 Fotos. Aus den schönsten Motiven suchten wir am Sonntag gemeinsam, nachdem die Fotografen bereits eine Vorauswahl getroffen hatten, die gelungensten Bilder gemeinsam aus und legten auch die Anordnung der Fotos für die Ausstellung fest.
Bei dieser Anordnung nutzten wir als ein Gestaltungsmittel drei verschiedene Blickebenen: die Augenhöhe von Rollstuhlfahrern (und anderen kleinen Menschen), die Augenhöhe von (durchschnittlichen) Fußgängern und die Ebene über Augenhöhe der Fußgänger.
Damit war der Part der Darsteller schon fast beendet, während die Arbeit der Fotografen erst wirklich begann. Sie retuschierten Aufnahmen, veranlassten die Entwicklung, besorgten aus dem Baumarkt und überall her das Ausstellungsmaterial (Bodenverlegeplatten, Leim, Reißzwecken, Angelsehne, Überlebensfolie), holten die entwickelten Bilder ab, trugen sie zur Stabilisierung auf Pappen auf.
Am folgenden Samstag begann um halb zehn der Aufbau der Ausstellung. Die Bodenplatten wurden zugeschnitten und Holzbeine angeschraubt, Angelsehne zur halb hängenden Stabilisierung wurde in Löcher gefädelt, die Überlebensfolie musste kräftig zerknüllt werden, um die Faltknicke zu entfernen, die Folie wurde auf die Platten geleimt – und schließlich die Fotos mit Reißzwecken darauf angebracht. Um 18.30 Uhr war der Aufbau beendet.
Am Sonntag, den 14. Mai 2006 fand ab 13.00 Uhr die offizielle Eröffnung unserer Ausstellung statt. Mit einem Sektempfang begrüßten wir (dank Muttertag in den geöffneten “Bahnhofspassagen”) die Darsteller, ihre Freunde und Verwandten sowie viele aufmerksam gewordene Besucher, mit denen wir auch ins Gespräch kamen.
Und voller Stolz betrachteten wir selbst immer wieder die entstandenen Kunstwerke. Beeindruckende Motive, interessante Perspektiven und spannende Effekte durch das Spiel mit Licht und Schatten faszinierten bei jedem Blick neu.
Die Ausstellung blieb bis zum 29. Juni 2006 in den Potsdamer “Bahnhofspassagen” und soll anschließend als Wanderausstellung an zahlreichen anderen attraktiven Orten gezeigt werden.