Unser Besuch der Pflegetagung des Bundesverbandes in Erfurt

Zu der vom Bundesverband der ASbH veranstalteten Pflegetagung am 5. April in Erfurt fuhren auch 8 Brandenburger. Neben Frau Franke und Frau Bischoff vom Vorstand nahmen auch Maik Franke als Mitarbeiter in Beratungstätigkeit sowie 4 hauptamtliche Pflegefachkräfte unseres Assistenzdienstes und eine FSJ-lerin daran teil.

Unser Projekt „Persönliche Assistenz“ gibt es seit 1995. Hierin erbringen wir für unsere durchschnittlich 30 Kunden Assistenz und Pflege aus einer Hand wie beispielsweise:

Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung Arbeitsassistenz und studentische Hilfen nach SGB XII schulbegleitende Hilfen nach dem Brandenburgischen Schulgesetz niederschwellige Angebote für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz nach § 45 SGB XI etc.

Zu unserem Kundenkreis gehören Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen – und natürlich auch Menschen mit Spina bifida.

Deshalb war die Pflegetagung auch für unsere Pflegefachkräfte von großem Interesse

Nach der Begrüßung durch Herrn Dr. Zerche von den gastgebenden Helios-Kliniken Erfurt stellte Frau Dr. Rohrmann in ihrem Vortrag unterschiedliche Methoden der chirurgischen Behandlung einer neurogenen Blasenlähmung vor. Indikationen für solch eine Operation sind z. B. krankhafte Blasenveränderungen, die Inkontinenzproblematik oder technische Schwierigkeiten beim Katheterisieren (insbesondere bei Mädchen). So gibt es die Möglichkeit der Formung einer teilweisen Ersatzblase aus Dünndarm, um ein eingeschränktes Fassungsvermögen zu revidieren oder die Möglichkeit, aus Dünndarmgewebe einen Blasenausgang aus der Bauchdecke zu formen etc.

Im 2. Vortrag erläuterte Dr. Thomas Löber die medikamentösen Möglichkeiten der Behandlung einer neurogenen Blasenlähmung. Hier ging es unter anderem um die zu vermeidenden hohen Drucke in der spastischen Blase bspw. durch Medikamente, die die Eigentätigkeit der Blase lähmen.

In seinem anschließenden Vortrag über Stuhlinkontinenz verwies Herr Dr. Löber insbesondere auf die Möglichkeiten, die der Betroffene jeweils durch seine Ernährungs- und Trinkgewohnheiten sowie regelmäßige Bewegung hat, um Verstopfungserscheinungen vorzubeugen. Auch das Verfahren der Darmspülung wurde noch einmal vorgestellt. Die zeitweise Beherrschung unkontrollierten Stuhlabgangs durch Analtampons wurde von einer Teilnehmerin als praktikabel beschrieben, muss aber sicher im Einzelfall ausprobiert werden.

Nach einer Pause teilte sich die Zuhörerschaft in 2 Arbeitskreise auf: im einen ging es noch einmal um die Kontinenzverbesserung bei Blase und Darm. Hier sprachen die Teilnehmer ihre ganz persönlichen Schwierigkeiten an (häufige Blaseninfekte, Verstopfung, Fragen zu Medikationen etc.) und erhielten den einen oder anderen Hinweis.

Im anderen AK diskutierten überwiegend Eltern über Beurteilungskriterien von Pflegebedürftigkeit und insbesondere auch über das Pflegeleistungsergänzungsgesetz, hier den § 45b im SGB XI, der FÜR MENSCHEN MIT EINGESCHRÄNKTER ALLTAGSKOMPETENZ die Möglichkeit bietet, NIEDERSCHWELLIGE BETREUUNGSANGEBOTE in Anspruch zu nehmen – also bezahlte Betreuungszeit außerhalb der reinen Pflegeleistungskomplexe durch von den Kassen anerkannte Träger.

Der Anspruch darauf wird in der Regel im Rahmen einer Begutachtung im Hinblick auf Pflegebedürftigkeit mit begutachtet und bescheinigt – allerdings häufig ohne eine Information an die Eltern. Der Anspruch wird jedoch ERST DURCH ANTRAGSTELLUNG WIRKSAM.

Noch bis 30.06.2008 besteht ein jährlicher Anspruch auf 460 € - ab 01.07.2008 erhöht sich der Anspruch auf 100 € bis 200 € IM MONAT, also im günstigsten Fall auf 2400 € jährlich. Wie die Anspruchshöhe ab dem 01.07.08 ermittelt wird, soll in entsprechenden Richtlinien bis dahin geregelt sein.

Im weiteren gemeinsamen Tagungsverlauf ging es dann um Wundmanagement beim Dekubitus – erst mit Herrn Dr. Welker über konservative Methoden und dann durch Herrn Dr. Borsche über die plastisch-chirurgische Behandlung

Die letzten beiden Beiträge thematisierten die chirurgische Behandlung von Frakturen bei Kindern mit Spina bifida. Hier war es besonders interessant zu erfahren, dass es bei ihnen zu einer Inaktivitätsosteoporose kommt, was bedeutet, dass die Knochendichte durch Bewegungsarmut abnimmt. Diesem Umstand ist insbesondere durch Bewegung entgegenzuwirken. Die Knochendichte reduziert sich bis zum Erwachsenenalter um ca. 30 % und ab dann etwa im selben Tempo wie bei anderen Menschen.

Wir danken dem ASbH Bundesverband für dieses interessante Angebot.

Ilka Bischoff

Seitenanfang