Unsere Sommerreise nach Köln
Ich war das zweite Mal mit der ASbH Brandenburg unterwegs und habe mich schon sehr gefreut, weil ich von der Osterfreizeit 2005 wusste, dass es ein tolles Erlebnis wird. An der Reise nahmen 11 Jugendliche und Erwachsene mit Spina bifida und/oder Hydrocephalus und 5 Begleiter teil. Maik und seine Freundin aus Köln, hatten die Reise organisiert und vor Ort koordiniert.
Wir sind am Samstag, den 11.08.2007 losgefahren und etwa um 19:00 Uhr in Köln angekommen. In unserer 2. Pause überraschte uns Gabi mit einer „Geburtstagsrunde“, denn sie hatte an diesem Tag Geburtstag. Mit Flo (einigen noch aus den Reisen nach Dänemark bekannt) deckte sie eine schöne Kaffeetafel und auch der Sekt zum Anstoßen fehlte nicht.
Nach dem Einchecken im Hotel und nachdem sich jeder etwas frisch gemacht hatte, brachen wir mit der Bahn in Richtung Dom auf, um dort Abendbrot zu essen. Direkt am Dom spielten an diesem Abend „BAP“, aber da das Konzert bei unserem Eintreffen schon lief, war leider kein Rankommen mehr. Immerhin konnten wir von unserem Plätzchen beim Italiener aus live „Verdamp lang her“ lauschen.
Am Sonntagvormittag wurden wir auf dem Domplatz zu einer Stadtführung erwartet und erfuhren viele interessante Kleinigkeiten über die Stadt Köln und auch über ihr „Hausbier“, das Kölsch.

Wir lernten die Kölner Originale „Tönnes und Schell“ kennen, die die arme und die bürgerliche Bevölkerung links und rechts des Rheines repräsentieren, sahen den „Heinzelmännchenbrunnen“ und lernten, dass es nicht nur eine sondern viele Sorten Kölsch gibt, z. B. das Früh-Kölsch, das Dom-Kölsch und das Gaffel-Kölsch. Nach dieser interessanten Tour kehrten wir im Brauhaus „Früh“ zum Mittagessen ein.
Anschließend schlenderten wir von da aus zum nahe gelegenen Schokoladenmuseum. Das war wirklich interessant. Wir erfuhren viel über den Anbau der Kakaopflanze sowie die Geschichte der Schokolade.
Da die meisten vom anstrengenden Anreisetag noch sehr erschöpft waren, fuhren wir an diesem Tag recht früh zurück ins Hotel. Dort versammelten wir uns noch zu einem fröhlichen Spieleabend in der Hotelkneipe.
Am Montag trafen wir uns um 10.00 Uhr zu einer Dom-Führung. Wir erfuhren viel über die Geschichte des Doms, an dem ca. 600 Jahre gebaut wurde, sowie über die Schätze in der Domschatzkammer, die wir anschließend auch noch besichtigten.
Danach war Zeit für einen kleinen Bummel und dann gingen wir Mittag essen. Wenn 8 Rollstuhlfahrer sich eine rolligerechte Toilette teilen müssen, kann man sich vorstellen, dass das schon mal dauern kann. So geriet unser Zeitplan hier ein wenig ins Wanken, so dass wir erst eine Stunde vor seiner Schließung den Kölner Zoo erreichten. Da waren wir eben flexibel und zogen den darauf folgenden Programmpunkt vor: Seilbahn fahren über den Rhein. Aber keiner wusste genau, wo lang es am anderen Ende der Bahn ging … Es konnte nicht weit sein … Und Eva (Maiks Freundin aus Köln) war nicht da …
So begann ein abenteuerlicher Fußmarsch, der mit einem Plauderstündchen im Rheinpark mit Blick auf den Fluss und den Dom gemütlich seinen Anfang nahm und dann durch ein Missverständnis bei der Wegstreckenklärung zum zweistündigen Umweg wurde. Doch alle Beteiligten nahmen diesen Umstand sehr sportlich und niemand war am Ende zu erschöpft für ein gepflegtes „Feierabend–Kölsch“ in der Hotelbar.
Am Dienstag waren wir um 12.00 Uhr in Bonn mit dem „Museum für Deutsche Geschichte“ verabredet. Dieses Museum geht auf eine Idee des Altbundeskanzlers Helmut Kohl zurück und beschreibt die Geschichte Deutschlands nach 1945 in Bildern, Texten, Filmdokumenten und zahlreichen Originalobjekten aus verschiedenen Zeiten.
Nach unserem interessanten Museumsbesuch stärkten wir uns im hauseigenen Cafe und dann brach ein Teil des Trupps zu einem Stadtbummel in Bonn auf, während ein anderer Teil zurück ins Hotel fuhr.
Am Mittwochvormittag hatten wir Zeit zur freien Verfügung und die meisten nutzten diesen Tag noch einmal zu einer Shoppingtour durch Köln. Am Abend kam für die meisten der Höhepunkt der Reise: Wir besuchten das Musical „We Will Rock You“. Am Anfang waren alle noch sehr verhalten, aber als wir aufgefordert wurden zu klatschen und zu singen, gingen auf einmal viele richtig ab. Es war toll!
Anschließend regnete es auf unserem „Weg zum Abendbrot“ leider fürchterlich. Satt und müde und noch nicht vollständig getrocknet traten wir nach einem guten Abendessen den Heimweg an. Irgendwann an einer Straßenbahnhalttestelle begannen die ersten zu singen und dann wurde bis zur Ankunft das ganze Repertoire an Canons, Volks- und Kinderliedern, das uns bekannt war, durchgenommen.
Am Donnerstag besuchten wir das Karnevalsmuseum. Es war interessant z. B. zu erfahren, dass die „Funken-mariechen“ vor dem 2. Weltkrieg traditionell von Männern verkörpert wurden und erst durch die Nazis dem Kult der guten deutschen Frau folgend durch Frauen besetzt wurden.
In dem Museum fanden sich neben jeder Menge Karnevalsorden auch alte Dokumente, Filme, Porzellanfiguren sowie in einer Halle außerhalb die Umzugswagen der letzten Saison, die in jedem Jahr nach den Vorgaben des Festkomitees neu entstehen.
Danach fuhren wir zurück zum „Neumarkt“, wo wir ein ca. einstündiges Päuschen entweder mit dem Besuch des „Ossiladens“ oder mit Kaffeetrinken im Straßencafe verbrachten. Wobei wir von Eva dringend aufgefordert wurden, nichts mehr zu essen – was schon einen kleinen Einblick in die angedeutete Überraschung gab, die dann folgen sollte.
Kurz vor 16.00 Uhr trafen wir uns bei einem Italiener in den „Neumarkt-passagen“, und dann wurde das Geheimnis gelüftet: wir waren zu einem italienischen 5-Gänge-Menü geladen. Es war ein unheimlich leckeres Vergnügen!
Satt und rund rollten wir etwa 4 Stunden später zurück in unser Hotel. Dort trafen wir uns kurz darauf zu einer Feedbackrunde und zu unserem letzten gemütlichen und lustigen Abend.
Und am nächsten Tag saßen wir um 13.00 Uhr alle abfahrbereit in den Autos, um die Heimreise anzutreten.
Mechthild Buchholz aus Dormersleben bei Magdeburg/ Ilka Bischoff