Der Berg rief – Integrationsreise der ASbH LV Brandenburg ins Allgäu
Am 17. August 2009 trafen sich bei der ASbH in Potsdam die Teilnehmer und Begleiter unserer diesjährigen Sommerreise. Acht Erwachsene mit Behinderungen sowie Gabi und Florian machten sich gg. 10.00 Uhr auf den weiten Weg ins ferne Bayern.
Um sich die lange Fahrzeit zu vertreiben, hatte jeder so seine eigenen Mittel und Wege: schlafen, lesen, rätseln… Als „Gemeinschaftsleistung“ entstand per Umfrage auch die Einkaufswunschliste für den Frühstückskühlschrank.
Eine moderne, geräumige Ferienwohnung mit 5 Doppelzimmern, einer großen Wohnküche, 3 Bädern und einer Terrasse (natürlich alles barrierefrei) mit herrlichem Panoramablick auf die bergige Landschaft empfing gegen 18.00 Uhr die Reisenden. Ermüdet, aber dennoch gespannt und voller Vorfreude sahen wir nun dem gemeinsamen Urlaub entgegen.
Unseren Begrüßungstrunk nahmen wir etwa eine Stunde später in einem urbayrischen Biergarten, nachdem wir uns hier schnell vor einem heftigen Regen mit der Hilfe anderer Gäste in das Innere der Brauerei gerettet hatten. Die meisten wurden aber an diesem Abend „nicht alt“, wie`s so schön heißt, denn die lange Anreise steckte allen noch in den Gliedern.
Rund um den nahe gelegenen Bodensee herum hatten sich die Teilnehmer in einigen Vortreffen in der Kontakt- und Beratungsstelle sowie per Telefonkette einen Unternehmungsplan zusammen-gestellt und waren nun auf das Resultat ihrer Wahl sichtlich gespannt.
Weit oben auf der Prioritätenliste stand „Boot fahren“ – aber eben möglichst nicht einfach nur Dampfer, sondern es durfte schon ungewöhnlicher sein.
Also probierten wir Tretboot fahren. Jeweils vier „Mann“ nahmen in einem Boot Platz, davon 2 von uns, die treten konnten (Gabi und Florian blieben an Land), und schon schipperten wir gemütlich über den Bodensee. Stolz fotografierten wir uns gegenseitig dabei, um diese für alle neue Erfahrung auch für die Nachwelt festzuhalten.
Das Ganze war vielleicht nicht ganz so spektakulär, wie mit 200 Sachen im Motorboot übers Wasser zu fliegen, aber es überzeugte schließlich auch die hartnäckigen Skeptiker.
Und weil Boot fahren eben so schön ist, taten wir´s gleich noch mal. Am viel kleineren und weniger bekannten Alpsee waren wir einen Tag später zu einem Segeltörn verabredet.
Um anständig ausgerüstet zu sein, erwarben sich vor dem Törn manche noch ein Mützchen gegen einen durchaus möglichen Sonnenstich und dann ging´s los. Wir genossen das leichte Schaukeln auf dem Wasser, lauschten den interessanten und amüsanten Geschichten des Skippers, fischten den weggeflogenen Hut einer Mitreisenden wieder aus dem Wasser und erfreuten uns an der bergigen Landschaft um den See herum und an dem wunderbar sonnigen Sommertag.

Urgemütlich verbrachten wir den Rest des Nachmittags auf einem schattigen Wiesenplätzchen am Alpsee und vergaßen die Zeit. Vorausschauend hatten wir an Decken gedacht, und so lagen wir weich gebettet und gemütlich im Grase am See, aßen Eis, unterhielten, spielten UNO und waren einfach relaxt im Miteinander.
Es war schon lange dunkel, als wir uns auf „unserer“ Terrasse im Schein von Teelichten zu unserer für diesen Tag letzten Mahlzeit bei einem Gläschen Wein oder einem Bierchen trafen.
Da sich der Bodensee im Dreiländereck von Deutschland, Österreich und der Schweiz befindet, verließen wir Deutschland auch mal für einen Tag in Richtung Österreich und brauchten dafür kaum eine halbe Stunde.
In Bregenz stand eine Bergfahrt auf dem Programm. Der “Pfänder“, so des Berges Name, ist 1064 m hoch und der berühmteste Aussichtspunkt der Region. Hinauf gelangten wir in den geräumigen und barrierefreien Panoramagondeln der „Pfänderbahn“. Eine Fahrt dauert 6 Minuten und bietet eine wirklich beeindruckende Aussicht auf den Bodensee und die ihn umgebenden Ortschaften sowie auf 240 Alpengipfel. Staunend versuchten die meisten, diesen unverwechselbaren Anblick auch fotografisch festhalten.
Mit unserem nächsten Ausflug nach Friedrichshafen blieben wir zwar dem Bodensee treu, verließen aber Bayern mal in Richtung Baden-Württemberg.
Wir hatten hier nichts Besonderes vor, wollten nur die Promenade entlang bummeln und: shoppen gehen. Unverhofft erwartete uns hier wieder direkt am schönen Bodensee ein „Lukullisches Stadtfest“. Ein „Verpflegungszelt“ reihte sich an das nächste und ein bunter Mix an verlockenden Düften stieg uns in die Nase. Irgendwo fand jeder etwas nach seinem Geschmack.
Frisch gestärkt bogen wir schließlich in die Einkaufsmeile ein und zerstreuten uns dort in kleinen Grüppchen…, die sich lustiger Weise größtenteils in einem 3-etagigen Buchladen wieder fanden.
Kurz entschlossen verlegten wir unser geplantes abendliches Grillen an die Uferpromenade Friedrichhafens, denn hier „steppte plötzlich der Bär“ und die untergehende Sonne über dem Bodensee lud einfach zum Bleiben ein. Ein stimmungsvolles Konzert zweier Österreicher mit 70er-Jahre-Musik,Rückblick
Country-Songs und Austria-Pop, gab viele Gelegenheiten zum Mitklatschen und Mitsingen. Sicher und gut gelaunt fuhren wir mit Gabi und Flo, wie die anderen Tage zuvor auch, über die serpentinenreiche Alpenstraße wieder in unser idyllisches Dörfchen zurück und freuten uns auf das morgige Frühstück mit Bergblick.
Wie im Fluge war unser letzter Tag gekommen. Aus dem geplanten Besuch einer Käserei machten wir spontan den Besuch eines Käseladens, als klar wurde, dass man doch nicht sehen konnte, wie der Käse gemacht wird. So ließen wir uns eine Probierplatte mit verschiedenen Allgäuer Käsesorten, dazu Brötchen und Landmilch servieren und schlemmten uns genüsslich durch die regionalen Milchprodukte. Gabi erzählte uns, dass man dabei mit dem milden Käse beginnt und dann zu dem geschmacksintensiveren vordringt. Spaßig wurde es, als Flo feststellte, dass sich die gleiche Sorte auch mehrfach auf dem Teller befand und wir versucht hatten, einen Unterschied zu finden. Fast jeder nahm sich oder für die Lieben daheim am Ende noch ein original Allgäuer Milchprodukt und schon wartete der nächste Programmpunkt im Konzert- und Festspielhaus Füssen auf uns.
Hier bot sich gleich vor dem Eingang ein beeindruckendes Landschaftsbild. Der Himmel war bewölkt, und so waren auch die Berge umweht von Wolkenschwaden, die dem gewaltigen Bergmassiv weiche Konturen gaben. Mittendrin zwischen den Gipfeln hockte, klein und zierlich – das Schloss Neuschwanstein. Wir konnten uns nicht satt sehen! ...und in genau diesem Moment liefen vier Alphornbläser an uns vorbei zu einer wartenden Hochzeitsgesellschaft, positionierten sich in dieses Ambiente hinein und ließen uns an ihrer Kunst teilhaben. Es war eine wunderbare Einstimmung auf unseren letzten Höhepunkt der Reise.
Im Festspielhaus Füssen erlebten wir nun die „Königsgala“ der Musicals. Ein bunter Abend mit Melodien aus verschiedenen Musicals: Die Schöne und das Biest, Tanz der Vampire, Elisabeth, Phantom der Oper, Ich war noch niemals in New York u. v. m. „Zugpferd“ des Abends war der bekannte Musicalstar Uwe Kröger der vom hiesigen Publikum gefeiert wurde, wie ein Rockstar. Standing Ovation gehörten einfach dazu, was wir auch sitzend konnten. ;-)
Bei unsere letzten gemeinsamen Frühstück und einem Zigarettchen waren wir einstimmig der Meinung. dass es ein Urlaub war, der durchaus einer Verlängerung würdig wäre und somit als Urlaubsziel unbedingt, vielleicht sogar schon im nächsten Jahr, nochmals angesteuert werden sollte. Es hat einfach gestimmt: Unterkunft, Landschaft, zufällige Ereignisse und dazu bestes Urlaubswetter - und vor allem eine stets gut gelaunte und flexible Reisegruppe.