Selbstbild und Fremdwahrnehmung – mein Image und ich

Vom 28. bis 30. August fand in der Kontakt- und Beratungsstelle der ASbH LV Brandenburg e. V. wieder ein „Seminar zur aktiven Erweiterung der Lebenskompetenz“ statt. Diesmal drehte sich alles um das Thema Image: im Allgemeinen und im Besonderen.

Was ist ein Image? Wer hat eins und wie kommt es zustande?

Der Begriff Image bezeichnet das innere Gesamtbild, das sich eine Person von einem Meinungsgegenstand macht (z. B. Person, oder Personengruppe, Organisa-tion, Stadt oder Ortschaft), bzw. den unwillkürlich entstehenden Gesamtein-druck. Da die Auseinandersetzung mit dem Meinungsgegenstand vor allem auf der Gefühlsebene erfolgt, werden mit ihm Assoziationen und Emotionen verknüpft. (Quelle: Wikipedia)

Mit einem Image legen wir also gewissermaßen fest, wie etwas oder jemand ist und schauen von da an nicht mehr so genau hin – denn wir „wissen es ja schon“.

Die kollektive Zuschreibung bestimmter Eigenschaften an bestimmte Personen-gruppen ist ein häufiges Phänomen:: „Frauen können nicht logisch denken“, „Männer wollen nicht reden“, „Polen klauen Autos“, „die Deutschen sind ordentlich“, „Kinder sind laut“, „Behinderte sind krank“ u. s. w.. Eine Eigenschaft wird unterschiedslos jeweils einer gesamten gesellschaftlichen Gruppe zugeschrieben. Man muss im Einzelfall nachweisen, dass man trotz Zuordnung zu dieser Gruppe diese Eigenschaft nicht zwangsläufig besitzt.

Fast jeder musste sich schon einmal gegen solch ein Gruppenurteil wehren und klarmachen, dass er anders ist: Frauen, die gut in Mathe sind z. B. oder Männer, die weder Bier trinken noch Fußball kucken, Politiker, die nicht korrupt sind, Beamte, die nicht faul sind, Behinderte, die nicht hilflos sind etc.

Und so deckt sich ein Image manchmal nicht mit unserem Selbstbild: man hält sich selbst für zurückhaltend, wird aber als lebhaft wahrgenommen; jemand gilt als souverän, fühlt sich aber unsicher; ein anderer sieht sich als zielstrebig und wird als rücksichtslos wahrgenommen.

Nachdem wir im Team geklärt hatten, wie das mit dem Image im Allgemeinen funktioniert, ging`s nun ans „Eingemachte“. Als kleine Vorübung, die an sich schon schwierig genug werden sollte, hatten die Teilnehmer die Aufgabe, sich selbst durch die „rosarote Brille“ zu sehen und aufzuschreiben, was an ihnen denn gut sei – und nur das. Es stellte sich schnell heraus, dass es die meisten von ihnen wohl eher gewohnt waren, das Negative an sich zu sehen. Danach gefragt, hätten sie vermutlich losgesprudelt. So aber kreiste der Stift bei manchem minutenlang über dem Blatt ohne aufzusetzen, andere malten oder kritzelten verlegen und ratlos, bis sie dann doch etwas fanden, das positiv zu nennen war und zu ihnen gehörte.

Doch was heißt überhaupt „positiv“? Ist es negativ, kritisch zu sein? Ist es negativ, streitbar zu sein? Ist es schlecht, diskutierend seinen Standpunkt zu vertreten und nicht gleich „klein bei“ zu geben?

Zum Glück gibt es auch unbestreitbar Positives: zuhören können, ausreden lassen, Schwäche zeigen können, Empathie, Hilfsbereitschaft, Geduld, Toleranz…

Nachdem dann doch jeder etwas Positives an sich hatte ausmachen können, kam die nächste Schwierigkeitsstufe: Setze dich vor die anderen hin und stelle dich vor – so wie du bist, mit allem, was dich ausmacht, also auch dem, sagen wir mal – schwierigen.

Das war eine harte Nuss. Das Positive aufzuzählen finden wir vielleicht eingebildet…, aber das Negative wollen wir doch eigentlich vor den anderen verbergen und ihnen nicht brühwarm erzählen?! Was sagt man also?

Die gute Nachricht ist: alle haben sich getraut und jeder hat etwas gesagt. Mit dem, was jeder von sich preisgegeben hat, hat er gleichzeitig Teile seines Selbstbildes veröffentlicht: Wie sehe ich mich? Wer bin ich?

Ziel der Übung war es, zu überprüfen, ob das Selbstbild mit dem Fremdbild übereinstimmt und ob das, was jemand ausstrahlt auch das ist, was er ausstrahlen will. Sehen mich also die anderen genauso wie ich mich selbst? Finden sie dasselbe gut an mir wie ich? Stört sie an mir dasselbe wie mich?

Zutage kam bisweilen Erstaunliches.

Da war die, die immer als stark, hilfsbereit und mitreißend erlebt wird und sich nichts sehnlicher wünscht als jemanden, bei dem sie schwach sein darf… Ein anderer nahm sich selbst als unnachgiebig wahr, wurde aber darin bestärkt, den eigenen Standpunkt weiterhin und sogar noch viel mehr zu vertreten.

Für die meisten hatte sich am Ende so etwas wie ein Kernthema herausgeschält, etwas, womit oder woran man arbeiten wollte. Für diese Weiterarbeit gab es auf Wunsch von Klaus Bräuer ganz konkrete Handlungshilfen, z. B. wer schnell denkt, muss langsamer reden, wenn er die anderen als Zuhörer nicht verlieren will. Andere fanden auf einmal ganz allein einen Weg: wenn ich Unterstützung brauche, muss ich das zu erkennen geben und konkret danach suchen.

So wurde auch dieses Seminar für die Teilnehmer wieder zu einer „lebenspraktischen Selbstbauanleitung“ und lieferte ihnen neben zahlreichen Informationen ganz praktische Hilfen für ein gelingendes Leben. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

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