angeschaut - ein Fotoshooting mit “Ausstellungsfinale”
Auch in diesem Jahr wurde bundesweit von vielen Behindertenverbänden der “Europäische Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen” mit zahlreichen Aktionen begangen. Aktionen, die zwischen dem 05. und 14. Mai 2006 stattfanden und im Zusammenhang mit dem Protesttag standen, wurden von der Aktion Mensch finan-ziell gefördert.
Die ASbH Brandenburg hat sich ebenfalls mit einer interessanten und außergewöhnlichen Aktion beteiligt.
Am 5. Mai trafen sich um 17 Uhr 15 Menschen mit und ohne Behinderungen zu einem Fotoshooting. Eine Ausstellung unter dem Titel war unsere Ziel.
In einem Brainstorming machten wir uns zunächst auf die Suche nach spannenden Motiven. Im Mittelpunkt unseres Interesses lagen hier Blicke und Perspektiven – insbesondere in der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen.
Eine häufig gemachte Erfahrung von Menschen mit einem sichtbaren Handicap ist doch: man wird gesehen und der Blick des Betrachters trifft nicht zuerst unsere Augen, sondern meist unsere Behinderung. Ob wir nun ungewöhnlich gehen oder sogar im Rollstuhl fahren – oft ist der “defekte Teil” von uns das erste, was ein Mensch an uns wahrnimmt.
Deshalb wollten wir mit unseren Bildern den Blick des Betrachters auch einmal bewusst auf die “unbehinderten Teile” von uns lenken.
Und wir wollten die Nichtbehinderten mit ihrer Art, uns zu sehen, konfrontieren – ohne Vorwurf, aber schon provokant.
Nach dem Brainstorming ging es direkt ans Probieren. In einem großen leer stehenden Büroraum (dort fand auch unsere Weihnachtsfeier statt), hatte die Fotografencrew zwei Fotostudios aufgebaut – ein helles und ein dunkles, um damit jeweils unterschiedliche fotografische Effekte zu erzielen.
So entstanden am Freitag und Samstag zahlreiche interessante und zum Teil sehr überraschende Motive, die die „Models“ eindrucksvoll auch in sehr ungewohnten und ungewöhnlichen Posen abbildeten.
Das Projekt war für viele eine Herausforderung. Für den, der sich drauf einließ, war es eine Auseinandersetzung mit seinem “Sosein”, mit geliebten und weniger geliebten Anteilen der eigenen Persönlichkeit - und insbesondere des eigenen Körpers.
Mit großer Spielfreude und Lust am Experimentieren entdeckten viele auch “Neues” an sich: ein aufreizendes Lächeln, einen erotischen Rücken, einen interessanten Blick … Rückblick haben sich damit auch die Teilnehmer neu...
Auf dieser spannenden “Reise” entstanden insgesamt weit über 1000 Fotos. Aus den schönsten Motiven suchten wir am Sonntag dann, nachdem die Fotografen eine Vorauswahl getroffen hatten, die gelungensten Bilder gemeinsam aus.
Damit war unser Part schon fast erledigt, und für die Fotografen begann die nächste Runde. Sie retuschierten Aufnahmen, veranlassten die Entwicklung, besorgten aus dem Baumarkt und überall her das Ausstellungsmaterial (Bodenverlegeplatten, Leim, Reißzwecken, Angelsehne, Überlebensfolie), holten die entwickelten Bilder ab, trugen sie zur Stabilisierung auf Pappen auf …
… und waren am folgenden Samstag um halb zehn die ersten, die sich in den “Bahnhofspassagen” zum Aufbau der Ausstellung einfanden. Da wurde gesägt und geschraubt, gebohrt und gefädelt, geknüllt und geleimt. Die Bodenplatten mussten zugeschnitten und Holzbeine ange-schraubt werden, Angelsehne zur halb hängenden Stabilisierung wurde in Löcher gefädelt, die Überlebensfolie musste kräftig “geknuddelt” werden, um die Faltknicke zu entfernen, die Folie wurde auf die Platten geklebt – und schließlich die Fotos mit Reißzwecken angemacht.
Das engagierte Aufbauteam bestand ne-ben zwei Fotografen aus Gabi, ihrem Mann und seinem Kumpel, Ilka sowie Praktikant Martin. Die letzten verließen die “Baustelle” gegen 18.30 Uhr.
Am Sonntag, den 14. Mai 2006 fand ab 13 Uhr die offizielle Eröffnung unserer Ausstellung statt.
Mit einem Sektempfang begrüßten wir (dank Muttertag in den geöffneten “Bahnhofspassagen”) die Darsteller, ihre Freunde und Verwandten sowie viele aufmerksam gewordene Besucher.
Und voller Stolz betrachteten wir selbst immer wieder die entstandenen Kunstwerke. Beeindruckende Motive, interessante Perspektiven und spannende Effekte durch das Spiel mit Licht und Schatten faszinieren bei jedem Blick neu.
Wir danken für die freundliche Unterstützung bei der Umsetzung unseres Projektes:
- Aktion Mensch
- Bahnhofspassagen
- Potsdam Fotoclub Potsdam