unsicht-Bar - ein “Blind Date”

Foto aus der unsicht-Bar
Foto aus der unsicht-Bar
Foto aus der unsicht-Bar
Foto aus der unsicht-Bar

... wurde der Donnerstag in der letzten Februarwoche für 8 Rollifahrer/innen und 4 Läufer/Innen organisiert. unter der Schirmherrschaft von Ilka Bischoff wurde ein Abend in der “unsicht-Bar” in Berlin zu einem ganz besonderen Erlebnis für alle Beteiligten.

Das im Herzen Berlins, unweit vom U-Bahnhof Hackischer Markt, gelegene Restaurant ist weit und breit das Einzige seiner Art, denn es bietet dem Besucher die Erfahrung, auf das Sinnesorgan zu verzichten, dessen wir uns am häufigsten bedienen: das Auge. Das Restaurant liegt, wenn auch nicht unsichtbar dann aber doch recht unscheinbar in einem Hinterhof der Gormannstraße.

Wir gelangten zunächst in einem mit nur spärlichem Kerzenschein beleuchteten Barraum, wo uns durch freundliches Personal der grobe Ablauf des Abends geschildert wurde. Die Aufregung war allen Beteiligten anzumerken. Denn, wie würde es wohl sein im Finstern einen Abend zu verbringen. Es gab viele Fragen die uns beschäftigten:

  1. 1. Werden wir das Essen finden?
  2. 2. Wie viel von dem Essen geht wohl daneben?
  3. 3. Wird es dann noch sein Geld wert sein?
  4. 4. Werden unsere Wechselsachen zum Einsatz kommen?

Dann ging es los

Jeder von uns wurde einzeln von einem/er Kellner/In zu seinem Platz geführt. Jedem Tisch wurde eine Bedienung zugeteilt, welche, selber blind, sich den gesamten Abend um uns kümmerte. Im Gastraum angelangt, hineingeführt durch ein Labyrinth, sah man die Hand vor Augen nicht (das ist im Übrigen nicht sprichwörtlich sondern tatsächlich gemeint). Unsere Augen versuchten krampfhaft etwas Licht herauszufiltern. Jedoch schon bald kapitulierten die Sehnerven.

Nachdem die Bedienung einem erklärt hatte, wo sich das Besteck und die Servietten auf dem Tisch befinden, waren wir uns bis zur Vorspeise selbstüberlassen. Konditionierte Abläufe wurden aktiviert. Wir wollten uns nun ja in dieser Lokalität “umschauen”. Allerdings erfolgte dies nicht über das Auge sondern über den Tastsinn.

Aha … große breite Tische aus Holz oder vielleicht doch aus Plastik? Es sind keine Blumen auf dem Tisch, kein Salz, kein Pfeffer, keine Zahnstocher.’ Logisch, das Alles wäre auch eher hinderlich für uns unerfahrene und in der Beziehung grobmotorischen Neulinge.

Tja und anstatt wie gewohnt das Paar am Nachbartisch zu beobachten, blieb einem nichts anderes übrig, als mit seinem Gegenüber über die neuerliche Erfahrung zu sprechen. Es war zudem gar nicht so einfach mit anderen am Tisch ein ungezwungenes Gespräch zu beginnen. Man konnte nicht an den üblichen und vertrauten Mimiken und Gestiken erkennen, ob unser Gegenüber an etwas Kommunikation interessiert war oder nicht. Zum Glück waren wir in einer großen Gruppe unterwegs, so dass man unvermittelt drauf los plappern konnte.

Dann kam endlich die Vorspeise. Überraschenderweise gestaltete sich der Verzehr von Suppe unter diesen Umständen nur halb so schwer wie erwartet. Dafür war es schwieriger zu ergründen was wir denn eigentlich da aßen. Wilde Spekulationen waren die Folge. Aufklärung erfolgte aber dann rasch durch unsere nette Kellnerin Arla. Zucchinisuppe!

Dann kam der Hauptgang. Dieser war schon etwas anspruchsvoller. Wie vermutlich jeder im Raum ertasteten wir das Essen auf dem Teller mit den Fingern: ‚hochgetürmte Kroketten, ein bisschen Soße, … ah Fleisch … Gemüse… ja das war´s!'

Von diesem Essen auch etwas auf die Gabel zu bekommen erforderte viel Geschick, Fingereinsatz und eine ganze Reihe Leerfuhren. Geschmeckt hat es jedoch allen. Einigen dann sogar so gut, dass sie den Teller ableckten. Aber hat ja niemand gesehen. Auch die Nachspeise war noch mal eine motorische Herausforderung für uns. Dann hatten sich alle an die besonderen Umstände gewöhnt und der Abend verlief so, wie wahrscheinlich in jedem anderem Restaurant auch.

Wir plauderten, bewerteten das Essen, die nette Bedienung. Am Ende war allen Beteiligten klar, dass dies eine interessante und unvergleichliche Erfahrung gewesen ist. Letztlich waren wir dann doch froh wieder in die Welt der Sehenden zurückzukehren. Für unsere Kellner war das jedoch alltägliche Realität.

Felix Tautz und Nadin Lambeck

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